Die Formel, und warum sie exakt ist
Zoll in Zentimeter umzurechnen ist eine reine Multiplikation. Der Wert dahinter ist keine Näherung und auch kein Messergebnis, sondern eine Festlegung: Seit dem International Yard and Pound Agreement von 1959 gilt ein Zoll als genau 25,4 Millimeter. Vorher hatten die USA, Großbritannien und Kanada leicht unterschiedliche Definitionen, was in der Fertigung regelmäßig zu Ärger führte. Seitdem rechnen alle mit demselben Wert.
Die Faustformel für den Kopf
Wer im Baumarkt steht und kein Handy in der Hand hat, kommt mit einer einfachen Näherung weit: Zoll mal zwei und ein halb. Bei 4 Zoll liefert das 10 statt 10,16 Zentimeter, der Fehler liegt bei knapp anderthalb Prozent. Für die Frage, ob ein Brett ungefähr passt, reicht das. Für eine Bohrung reicht es nicht, dort gehört der exakte Wert her.
In die andere Richtung funktioniert es genauso grob: Zentimeter durch 2,5. Aus 100 Zentimetern werden so 40 Zoll statt der korrekten 39,37. Sobald es um Passungen geht, um Gewinde oder um Teile, die ineinandergreifen sollen, nimmt man den Rechner.
Zoll, Inch, Strichzoll: dieselbe Einheit, drei Namen
Zoll und Inch bezeichnen exakt dasselbe. Der deutsche Begriff geht auf die Daumenbreite zurück, das englische Wort inch stammt vom lateinischen uncia, dem Zwölftel, weil zwölf Zoll einen Fuß ergeben. Wer im Baumarkt nach Zoll fragt und im Datenblatt Inch liest, hat also nicht zwei Angaben vor sich, sondern eine.
Beim Zeichen wird es unsauber. Korrekt ist das doppelte Prime, also 5″, für Fuß das einfache Prime 5′. Im Alltag steht dort fast immer das Zollzeichen der Tastatur, das eigentlich ein Anführungszeichen ist. Verwirrend wird es erst, wenn beide Zeichen zusammen auftauchen: 5′ 10″ heißt fünf Fuß und zehn Zoll, also 177,8 Zentimeter. Wer das einfache Prime übersieht, rechnet um den Faktor zwölf daneben.
Ein dritter Begriff geistert durch Werkstätten: der Strichzoll. Gemeint ist damit kein eigenes Maß, sondern die Ablesung an einer Skala, die das Zoll in Bruchteile teilt statt in Dezimalstellen. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt.
Warum Zoll überhaupt noch da ist
Deutschland rechnet seit 1872 metrisch, trotzdem begegnet einem das Zoll täglich. Der Grund ist selten Nostalgie, sondern Normung: Wo eine Baugröße einmal in Zoll festgelegt wurde und weltweit Teile zueinander passen müssen, bleibt die Bezeichnung, auch wenn das Land längst in Millimetern denkt. Rohrgewinde, Fahrradreifen, Bildschirme, Festplatten, Schrauben im amerikanischen Maschinenbau: Überall dort ist Zoll die gemeinsame Sprache geblieben.
Wichtig dabei: Die Zollangabe ist nicht immer ein gemessenes Maß. Bei Rohrgewinden ist sie eine Baugrößenbezeichnung, die auf einen historischen Innendurchmesser zurückgeht. Ein Zollrohr misst außen 33,25 Millimeter und nicht 25,4. Wer das verwechselt, kauft den falschen Fitting.